Pluralistische Ignoranz

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Pluralistische Ignoranz ist ein Begriff aus der Sozialpsychologie. Dieser Begriff beschreibt eine Situation, wo die Mehrheit der Gruppe ein Verhalten oder eine Meinung ablehnt, aber die Personen einzeln (und im Widerspruch zur Wirklichkeit!) davon überzeugt sind, dass die anderen Gruppenmitglieder das abgelehnte Verhalten oder die abgelehnte Meinung sehr wohl gut finden (oder auch umgekehrt: man selbst lehnt etwas ab, glaubt aber zu Unrecht, dass andere dies gut finden). Wenn Personen in einer Gruppe sich in einer unsicheren und schwer zu beurteilenden Situation befinden, und niemand weiß, wie man handeln soll, achtet man gern auf andere und deren Verhalten. Dieses Verhalten der anderen wird dann oft nicht als Unsicherheit interpretiert (während diese Interpretation auf der Hand liegt, wenn man auch unsicher selbst ist), sondern als Ergebnis einer bewussten Entscheidung. Man interpretiert daher das Verhalten anderer, die sich gleich verhalten wie man selbst, anders als das eigene Verhalten und passt sich dann auch noch an die verkehrt aufgefasste allgemeine Meinung an. Unterschiede zwischen privater Meinung und öffentlichem Verhalten sind in der sozialpsychologischen Literatur als eine Form von sozialem Einfluss gut dokumentiert. Sozialer Einfluss spielt auch eine zentrale Rolle bei diesem Phänomen der pluralistischen Ignoranz.

Beispiele:

  1. Der Lehrer fragt, ob es irgendwelche Fragen gibt. Niemand sagt etwas. Viele Teilnehmer nehmen dies als ein Zeichen dafür, dass die anderen alles verstanden haben, und dies, während die anderen Teilnehmer auch unsicher sind oder Fragen haben und selbst auch auf die Reaktionen der Gruppe achten.
  2. Des Kaisers neue Kleider: das Märchen von Hans Christian Andersen: jeder sieht, dass der Kaiser keine Kleider hat, aber glaubt fälschlicherweise, dass die anderen Leute sehr wohl die Kleidung des Kaisers sehen können. Man sagt nichts, um nicht dumm oder abnormal zu erscheinen.

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Maria Trepp, Psychologin und Übersetzerin

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